Apisticus-Tag 2018

Apisticus-Tag 2018: Prof. Dr. Karl Crailsheim, Institut für Zoologie, Karl-Franzen-Universität-Graz, Österreich Warum und wie machen Bienen Honig?

Apisticus-Tag 2018

Prof. Dr. Karl Crailsheim
Institut für Zoologie, Karl-Franzen-Universität-Graz, Österreich
Warum und wie machen Bienen Honig?

Im Insektenreich ist es schon ungewöhnlich, dass Eltern für die Aufzucht bzw. Verproviantierung ihrer Nachkommen sorgen. Noch ungewöhnlicher ist es, dass dies kollektiv Geschwister tun, wie es bei der Honigbiene zu beobachten ist. Da Nektareintrag und Verbrauch nicht kontinuierlich erfolgen – so können Witterungsbedingungen das Sammeln vermindern oder gar unmöglich machen und die Menge der zu versorgenden Brut hängt von der Legeleistung der Königin und der Kapazität der Ammenbienen ab -  muss in diesem System für eine Bevorratung gesorgt sein. Diese Reserven sind bei den Honigbienen so groß, dass letztendlich das ganze Volk in die Lage versetzt wird, auch sehr lange trachtfreie Perioden (Winter, Dürrephasen) zu überleben und sogar während solcher Phasen weiter zu brüten.

Die großen Mengen von Honig, die von einem Volk eingelagert werden können, werden durch weitere Besonderheiten der Honigbienen ermöglicht. Es ist dies die Fähigkeit in unterschiedlichen Behausungen geeigneten Lagerraum zu schaffen (Wabenbau mit der Kapazität Dutzende von Kilogramm Gewicht aufzunehmen), extrem effizient Nektar zu sammeln (Tanzkommunikation), logistisch raffiniert den Nektar im Stock abzulagern (Arbeitsteilung), sowie den Nektar so zu verarbeiten und konzentrieren, dass er als Honig lange Zeit haltbar bleibt. Auch dieser Prozessschritt ist ein vielstufiger; bereits die heimfliegenden Sammlerinnen beginnen den Nektar in Honig zu verwandeln.

Honig ermöglicht also das Überdauern von kurzen Mangelphasen bis hin zu langen Wintern, er verleiht den Honigbienen die Fähigkeit bereits im Frühjahr mit großer Volksstärke die ersten proteinhaltigen Trachtquellen auszubeuten, wenn andere Nahrungskonkurrenten noch nicht einmal fliegen oder wie z.B. die Hummeln, erst ihr Volk aufzubauen beginnen. Als nahezu reine Zucker-Nahrung ermöglicht er Honigbienen den Hochleistungsflug sowohl was die zurückgelegten Strecken, als auch das Gewicht der transportierten Lasten, die Geschwindigkeit und die Bewältigung widriger Umstände (z.B. niedrige Temperaturen) betrifft.

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