Apisticus-Tag 2018

Apisticus-Tag 2018: Dr. Joachim Eberhardt Agentur lernsite, Münster Unsere einheimischen Bienenarten Biologie, Schutz und Konflikt

Apisticus-Tag 2018
Dr. Joachim Eberhardt
Agentur lernsite, Münster
Unsere einheimischen Bienenarten Biologie, Schutz und Konflikt

DIE Biene, das ist in der Imkerei die Honigbiene. Im Vortrag wird es um alle einheimischen Bienenarten gehen. Und genau so wenig, wie es DIE Biene gibt, gibt es DIE Wildbienen. Für eine einfache Orientierung können wir die Bienenarten in die Honigbiene, die Hummeln und die solitären Bienen gliedern.

Biologie

Im ersten Teil soll es um die Vielfalt der einheimischen Bienen gehen. Circa 550 Arten gab oder gibt es in Deutschland. Realistisch sind etwa 200 Bienenarten, denen wir begegnen können. Alle anderen Arten sind sehr selten oder ausgestorben.

Die Bienen unterscheiden sich darin, wie sie ihren Nachwuchs aufziehen. Betreiben sie Brutpflege, legen sie nur eine Brutvorsorge an oder kümmern sie sich gar nicht um ihren Nachwuchs? Wo legen die Bienen Nester oder Brutkammern an? Welche Tracht tragen sie ein, um ihren Nachwuchs zu versorgen? Es geht dabei nicht nur um Nektar und Pollen. Es gibt Arten die Blätter schneiden, Lehm eintragen oder in Blüten Öle sammeln.

Unter den solitären Bienenarten gibt es Spezialisten, die auf bestimmte Pflanzenarten angewiesen sind. Die Blühzeiten und die Flugzeiten sind genau aufeinander abgestimmt. Man bezeichnet sie als oligolektisch. Der Nektar der verschiedenen Pflanzenarten unterscheidet sich kaum. Daher haben auch die Drohnen weniger Probleme als die Weibchen, die ausschließlich die Versorgung der Brut übernehmen. Denn entscheidend ist der Pollen, die Eiweißquelle der Bienen für die Aufzucht des Nachwuchses. Im Vorhandensein unterschiedlicher, essenzieller Aminosäuren gibt es im Pollen unterschiedlicher Pflanzenfamilien und -gattungen große Unterschiede.

Andere sind nicht wählerisch, sondern Generalisten. Dazu gehören unsere „Big Five“ der Bienen: Honigbiene, Helle und Dunkle Erdhummel, Ackerhummel und Steinhummel. Das ist kein Wunder, da Honigbienen und Hummeln in Völkern leben und während der ganzen Vegetationsperiode Pollen eintragen müssen.

Arten unterschiedlicher Bienengattungen werden anhand von Fotos vorgestellt. Ziel ist etwas systematische Ordnung in die Vielfalt der Bienen und ihren Lebensweisen zu bringen.

Schutz

Mangel an geeigneten Brutplätzen und geeigneten Trachtpflanzen sind ein wesentlicher Grund für den Rückgang der einheimischen Bienen. Im zweiten Teil des Vortrags geht es darum, was wir zum Schutz der unterschiedlichen Bienenarten machen können.

Die meisten Bienen brüten in der Erde. Nur ein kleiner Teil nimmt Baumhöhlen, Totholz oder Pflanzenstängel als natürliche Bruthöhlen an. Heutzutage sind in den Städten alle Flächen, die bebaut werden konnten, bebaut worden. Es gab Flächen, ungenutzt und unbeachtet, auf denen sich die Natur im ganz Kleinen, aber oft mit erstaunlicher Vielfalt entwickeln konnte. Diese offenen Flächen, Ruderalflächen und Magerrasen, sind in den Städten und auf dem Land fast vollständig verschwunden und damit die Brutgebiete für die meisten Bienenarten.

Wir können den Bienen helfen, indem wir Areale für sie anlegen oder vorhandene Areale bewahren. Auch wenige Quadratmeter eines offenen Bodens in sonniger Lage können viel bewirken. Geben Sie einen kleinen Teil Ihres Gartens an die Natur zurück. Es sind gerade die kleinen Kräuter, die oft zu Unrecht als "Unkraut" bezeichnet werden, die unseren bedrohten Bienenarten helfen. Gerade die kleinen, unauffälligen Bienenarten sind auf diese Kräuter angewiesen.

Blühmischungen, wie sie zur Bienenweide angeboten werden, helfen dabei nicht. Es gibt regionale Samenmischungen. Aber in einer Region wie dem Münsterland kann man mit dem Vorkommen von 250 bis 300 Pflanzenarten, die typisch für eine Ruderal- und Magerwiesenflora sind, rechnen. Dem gegenüber kommen auch in den für die Region optimierten Samenmischungen maximal 40 Arten vor.

Als Nisthilfen werden dringend vor allem offene Böden, Sandflächen und Magerrasen gebraucht. 70 % der Bienenarten sind auf solche Flächen angewiesen. Für die im Totholz und Stängeln brütenden Arten sind ein Angebot an gebundenen Stängeln und einzelnen Holz- oder Ton-Blöcken mit Bohrungen hilfreich. Wichtig ist ein dezentrales Anbringen dieser Nisthilfen. Ein verdichtetes Angebot von Nisthilfen in sogenannten Insekten- oder Bienenhotels fördert die Vermehrung der Brutparasiten der Bienen und ist daher nicht zu empfehlen.

Konflikt

Das dritte Thema ist umstritten. Gibt es eine Konkurrenz unter den Bienenarten? Dominiert und verdrängt die Honigbiene andere Arten und gefährdet diese im Bestand?

Es gibt keine einfachen Antworten auf diese Fragen. Je nach Region und nach Trachtlage gibt es unterschiedlich zu bewertende Situationen. Generell kann man sagen, dass die Honigbiene bevorzugt Massentrachten anfliegt. Solange Massentrachten vorhanden sind, kommt es zu keiner Konkurrenz zwischen der Honigbiene und anderen Bienenarten. Zeiten der Trachtlücken können zum Problem werden. Weicht die Honigbiene auf Läppertrachten aus, so können sich die Ressourcen mit einigen solitären Bienenarten überschneiden. Diese oft oligolektischen Bienen habe meist keine Möglichkeit auszuweichen, da sie auf spezielle Pflanzenpollen angewiesen sind und ihr Flugradius auf wenige Hundert Meter begrenzt ist. Dann kann eine Konkurrenz um die knappe Tracht entstehen.

Wie wird eine Konkurrenz vermieden? Es gehört zur guten imkerlichen Praxis, den Umfang der (Massen-) Trachten am Standort der eigenen Völker einzuschätzen, die aktuelle Lage beurteilen zu können und den Trachtverlauf über die Saison im Flugradius der eigenen Bienen im Blick zu haben. Dabei sind Standplätze anderer Bienenhalter mit in Betracht zu ziehen, da sich die Flugradien vor allem in Gebieten mit hoher Honigbienendichte überschneiden.

Es sollten nicht mehr Völker aufgestellt werden als im Areal Tracht zu erwarten ist. Es schützt außerdem die eigenen Völker vor Stress und Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Parasiten.

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